aktienstrategie

Aktienmärkte bleiben angespannt

Die Rettungsmassnahmen der US-Regierung – unter anderem Verstaatlichung der angeschlagenen US-Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac durch das US-Finanzministerium – konnten die globalen Aktienmärkte in den letzten Wochen immer nur kurzfristig unterstützen.

Anhaltende Befürchtungeneiner starken Abschwächung der globalen Wirtschaft, Probleme auf den weltweiten Kreditmärkten, gemischte Aussichten der Unternehmen und weitere Unsicherheiten im Bankensektor nach dem Kollaps von Lehman Brothers setzten die Aktienmärkte weiter unter Druck. Neben dem Finanzsektor hatte insbesondere der europäische Rohstoffsektor zu leiden. Mit einem derzeitigen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 6 (niedrigstes Bewertungsniveau seit acht Jahren) preist der Markt mittlerweile einen Gewinnrückgang in diesem Sektor von knapp 50 Prozent in den nächsten Monaten ein. Die Konsensus-Gewinnerwartungen lassen dies bei Weitem noch nicht erkennen. Dies führte dazu, dass die implizite Volatilität, mit der die Schwankungsbreite des deutschen Aktienmarkts bzw. die Risikoaversion der Investoren gemessen wird, im September ein Niveau von über 30 Prozent erreichte – den höchsten Stand seit fast sechs Monaten. Auch in den nächsten Wochen sollten die europäischen Aktienmärkte deshalb angespannt bleiben.

Der erwartete absolute DAX-30-Indexgewinn für das Jahr 2009 sollte im restlichen Jahresverlauf weiter bis auf 600 Indexpunkte fallen, das heißt nach dem heutigen Stand noch einmal um knapp 10 Prozent – und bis Mitte 2009 sogar auf 550 Indexpunkte, was ein Gewinnwachstum von 0 Prozent im Jahr 2009 zur Folge hätte. Die Konsenserwartungen für das nächste Jahr liegen dagegen immer noch bei knapp +20 Prozent.

Hohe kurzfristige Zinsen (Euribor bei fast 5 Prozent) sowie eine flache bis inverse Zinsstrukturkurve setzen den Kreditmarkt in Europa weiter unter Druck. Dies erhöht auch die zukünftigen Refinanzierungskosten der Unternehmen.

Makroökonomische Daten werden eine weitere Abschwächung der globalen bzw. europäischen Wirtschaft zeigen.

Dennoch könnte der deutsche Aktienmarkt in den nächsten Wochen durch den Rückgang des Ölpreises eine gewisse Unterstützung finden. Dieser schwankt mittlerweile zwischen USD 90 und 95 je Barrel. Der Ölpreis ist somit seit dem Höchststand Mitte Juli um knapp 36 Prozent gefallen, liegt aber immer noch um 16 Prozent höher als vor einem Jahr. Nichtsdestoweniger sollte sich dies positiv auf die zuletzt stark gestiegenen Konsumentenpreise (CPI) in Deutschland auswirken, das heißt, die Inflation wird zurückgehen. Eine höhere Bewertung des DAX-30-Index auf Basis des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) durch die Investoren ist dabei in den meisten Fällen die Folge niedriger Konsumentenpreise, da der Inflationsdruck von den Unternehmen genommen wird und gute Chancen bestehen, dass die Europäische Zentralbank die Möglichkeit ergreift, die Leitzinsen zu senken, um eine sogenannte harte Landung der Wirtschaft zu vermeiden. Somit sollte ein Rückgang des CPI-Wachstums von 3,1 Prozent auf rund 2,5 Prozent im vierten Quartal zu einer Ausweitung des DAX-30-KGVs von momentan 10 auf ungefähr 12 führen. Dieser steigende Bewertungsmultiplikator würde somit Kurspotenzial für den deutschen Aktienindex bis zum Jahresende bieten, trotz anhaltender negativer Gewinnmeldungen. MW